I.
Das Stübel war hell und reinlich, und es hingen rote, saubere Gardinen vor den kleinen Fenstern – die doppelt rot aussahen, weil Schneeflocken draußen davor tanzten, und das ganze, enge Tal und weit hinaus die Berge weiß waren – weiß und schneidend kalt und eisig. Ja, für Reinlichkeit im Häuschen sorgte die Junge, ein blondes, kräftiges Frauenzimmer im roten Rocke, die einen etwas vorstehenden Mund und große, gesunde Zähne hatte und dazu, wenn sie einmal lachte, um ihrer blauen, hellen Augen willen einen Hauch von jungfräulicher Lieblichkeit gewann, der nur zu rasch wieder unter einem barschen Alltagsblick verschwand. Und gegenwärtig gab es nicht nur all' die stummen Mühen einer solchen, in der Enge der Schlucht eingekeilten schiefen Dorfhütte, worin die niedrige, große Stube und der spinnwebige, dunkle Stall, der Abtritt und der Schweinekoben, alles, friedlich bei einander liegen. Es gab unsägliche Unruhe und Aufregung, und die junge Sender, des einzigen Sohnes Frau, sprach wirklich aus Wut den ganzen Tag kein Wort – aus Wut und auch aus Furcht. Sie machte ihre Arbeit, sorgte für die Sauberkeit, kochte der kranken Schwiegermutter, was an Umschlägen und Tee zu kochen war, soweit der Vater nicht selbst um die Kranke hin und her ging – und hütete sich, so lange nicht der eigene Mann aus der Waldarbeit am Feierabend daheim war. Und wenn der abends eingetreten, war ihr Herz in