Der letzte Sonnensohn
Der letzte Sonnensohn. Eine Historie von Johannes Scherr. Werden, wachsen, blühen, welken, vergehen! Das in das ewige Gesetz der Natur und der Geschichte. Wie für die Pflanze und wie für die einzelnen Menschen, gilt es auch für die Völker. In seiner 1844 geschriebenen Strophe: „Am Baum der Menschheit drängt sich Blüth’ an Blüthe, Nach ew’gen Regeln wiegen sie sich drauf; Wenn hier die eine matt und welk verglühte, Springt dort die and’re voll und prächtig auf; Ein ewig Kommen und ein ewig Gehen Und nun und nimmer träger Stillestand! Wir seh’n sie auf-, wir seh’n sie niederwehen Und jede Blüthe ist ein Volk, ein Land –“ „Am Baum der Menschheit drängt sich Blüth’ an Blüthe, Nach ew’gen Regeln wiegen sie sich drauf; Wenn hier die eine matt und welk verglühte, Springt dort die and’re voll und prächtig auf; Ein ewig Kommen und ein ewig Gehen Und nun und nimmer träger Stillestand! Wir seh’n sie auf-, wir seh’n sie niederwehen Und jede Blüthe ist ein Volk, ein Land –“ hat Freiligrath dieses Naturgesetz, diese weltgeschichtliche Thatsache in schöne Worte gekleidet. In unsern Tagen ist für den von Ewigkeit her und in Ewigkeit hin sich vollziehenden Wechsel von Leben und Sterben im Universum das Modewort „Kampf um’s Dasein“ aufgekommen. Es hat seine Vollberechtigung. Nicht nur „Mensch sein heißt ein Kämpfer sein“, sondern existiren wollen heißt kämpfen müssen. Fressen oder gefressen