Die Ankunft
Das Haus am See sah kleiner aus, als Eva es in Erinnerung hatte. Zwanzig Jahre und ein ganzes Leben lagen zwischen dem Mädchen, das hier seine Sommer verbracht hatte, und der Frau, die nun mit einem Mietwagen in der Einfahrt stand und sich fragte, warum sie gekommen war. Der Garten war verwildert, die Fensterläden brauchten einen neuen Anstrich, und der Steg, von dem sie als Teenager ins Wasser gesprungen waren, hing schief über dem Ufer.
Martin war der Erste, der ankam, wie immer pünktlich, wie immer mit einem Lächeln, das nicht ganz seine Augen erreichte. Er hatte graue Schläfen bekommen und eine Haltung angenommen, die Eva als die eines Mannes erkannte, der zu viele Kompromisse geschlossen hatte. Sie umarmten sich, und es war diese besondere Unbeholfenheit alter Vertrautheit — der Körper erinnerte sich an eine Nähe, die der Verstand längst verlernt hatte.
Bis zum Abend waren alle vier da. Martin, Eva, Suse und Kai — die Namen klangen in Evas Ohren wie ein vergessenes Lied, dessen Melodie plötzlich zurückkehrte. Sie saßen auf der Veranda, tranken Wein und taten so, als sei die Zeit stehen geblieben. Doch unter dem Lachen und den alten Geschichten lag etwas Schweres, Unausgesprochenes, das darauf wartete, ans Licht zu kommen wie Grundwasser, das langsam durch den Boden steigt.