Chapter

Einleitung

Es ist ein freundliches, Wohlhabenheit verratendes Wohnzimmer, in welches uns dieses Vorwort führt. Der in der Mitte stehende Tisch war ganz mit Blumentöpfen und Sträußen in Gläsern besetzt, ferner lagen einige geöffnete Briefe darauf, ein paar Strümpfe, eine Briefmappe und andere Sachen – also war es wohl ein Geburtstagstisch, den man bis jetzt, bis zum späten Abend, noch nicht abgeräumt hatte. Neben dem Seitentischchen, auf dem die Petroleumlampe brannte, stand ein verstellbarer Krankenwagen, und in demselben saß mit verhüllten Füßen ein vierzehnjähriger Knabe. Sein Gesicht mit der hohen Stirn und den großen, klugen Augen war leidend und farblos, und an dem Wagen lehnten zwei Krücken. Bis vor zwei Jahren war Richard L**, der einzige Sohn sehr vermögender Eltern, ein fröhliches Kind gewesen, der fleißigste Schüler eines Gymnasiums, der beste Turner in seiner Klasse, die Freude von Eltern und Lehrern, und jedermann hielt ihn wegen seiner geistigen und körperlichen Gaben für berechtigt zu den größten Hoffnungen. An einem einzigen Tage war alles vernichtet worden. Ein auf der Ferienreise erlebtes Eisenbahnunglück beraubte ihn der Eltern, lähmte ihn an beiden Beinen, und als er endlich aus dem Hospital entlassen werden konnte, war er siech für immer. Richard besaß nur noch einen einzigen Verwandten, eine ältere, alleinstehende Witwe, und diese kam zu ihm in das Haus, das ihm

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