Das-Was-Waechst
Er hielt ihr keinen Vortrag über Artenvielfalt, über Satzungen oder die Gründungscharta. Tomas hatte all das beim Rat versucht und zugesehen, wie es von ihren Augen abglitt wie Wasser von Glas. Stattdessen nahm er ein einziges Weizenkorn, nicht größer als eine Träne, und ließ Della es pflanzen.
Er gab ihr eine Schale grauer, aufbereiteter Schiffserde und zeigte ihr, wie tief und wie viel Wasser, und dann — das war der entscheidende Teil — ließ er sie warten.
„Es passiert nichts", meldete sie am nächsten Tag.
„Gut", sagte er. „Komm wieder."
Neun Tage lang passierte nichts, und er ließ sie jedes Mal kommen und sich das Nichts ansehen, bis sie so genervt war, dass er wusste: Sie hatte gegen ihren Willen begonnen, etwas zu *erwarten*. Und am zehnten Tag war da ein grüner Faden im Grau, dünner als ein Haar, gebogen wie eine Frage, hinauf zu einem Licht gereckt, das ihn nicht darum gebeten hatte.
Della wurde ganz still. Sie hatte in ihrem Leben noch nie zugesehen, wie ein Ding sich entschied zu leben.
„Er weiß nicht, dass wir auf einem Schiff sind", sagte Tomas leise. „Er weiß nicht, dass es hundert Jahre lang keinen Himmel gibt. Er tut nur das Einzige, das er je gekonnt hat: *immer weiter zu dem Licht zu streben, das er noch nicht erreicht hat.*" Er ließ das wirken. „Das ist das ganze Gewölbe, Della. Zweihunderttausend Schubladen Geduld. Wir tragen kein Saatgut. Wir tragen den