Chapter

Das Erloeschende Feuer

Kaels Hände zitterten, als er die Schuppen an Vyranthas Flanke berührte. Einst hatten sie in tiefem Kupfer geglüht, warm unter seinen Fingern wie von einer inneren Sonne beheizt. Nun waren sie grau und spröde, und an manchen Stellen blätterten sie ab wie Rinde von einem toten Baum. Die Drachin lag auf dem Felsvorsprung über dem Tal, den Kopf auf die gewaltigen Vorderpranken gebettet, und ihr Atem kam in flachen, rasselnden Zügen. „Noch nicht", flüsterte Kael, obwohl er wusste, dass die Worte nichts änderten. Das Band zwischen ihnen — jene unsichtbare Verbindung, die seit seinem zwölften Lebensjahr sein Herz mit dem ihren verknüpfte — wurde mit jedem Tag dünner. Er konnte ihre Gedanken kaum noch spüren, nur noch ein schwaches Flackern am Rand seines Bewusstseins, wie eine Kerze hinter Milchglas. Die alten Bücher in der Bibliothek der Hüter, jener Bibliothek, die nun nur noch er allein betrat, sprachen von einem Ort jenseits der Nebelberge, wo das Drachenfeuer seinen Ursprung hatte. Eine Quelle, hieß es, aus der die ersten Drachen geboren wurden, deren Flamme nie erlosch. Kael hatte die Passage hundertmal gelesen und immer für eine Legende gehalten. Doch nun, da Vyranthas Augen sich langsam schlossen und das Kupfer in ihnen zu Asche wurde, war er bereit, an Legenden zu glauben.

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