Der letzte Cavalier
Das Leben ist bekanntlich eine Reise, und wenn einer eine Reise thut, heißt's im Lied, so kann er was erzählen. Natürlich darf er kein Master Roastbeef seyn, der mit der Nas' im Buche reist. Der alte Woldl's [Wold'l wird vermuthlich Guidobald bedeuten.] ist seiner Lebtag' keiner von den Reiselesern gewesen; vielleicht hat der Bursche gar nicht lesen können. In Tirol war er geboren, und wenn er noch lebte, wär' er weit über hundert Jahr' alt. Zur Zeit, als der Preuße mit ungewaschenen Händen die Erbschaft Karls des Sechsten betastete, da war's in Tirol noch armselig bestellt um die Dorfschulen. Aber ein frisches helles Augenpaar hat der Wold'l geführt, kein Brett vor dem Kopf und noch in seinen alten Tagen ein wohlbestelltes Mundwerk. Ich hörte seiner Zeit ihm oft mit großem Behagen zu, und will's versuchen, von dem, was er am liebsten zu erzählen pflegte, etwas mitzutheilen. Lückenhaft wird's freilich ausfallen, denn es ist schon gar lange her, und die viele Beschäftigung mit Lesen und Schreiben verdirbt das Gedächtnis. Vielleicht auch ist der Bericht nicht überall ganz treu, weil neben dem schwachleinigen Gedächtniß eine ziemlich regsame Einbildungskraft wirthschaftet. — Doch genug davon; der Wold'l fange zu reden an, wenn schon nicht eben mit seinen eigensten Worten. »Es gibt keinen Cavalier mehr,« sagte er gewöhnlich; »mein gnädiger Herr war der letzte, wie zugleich der