Chapter

Der Leiermann

Es pflegt sich nun einmal manches schon So seltsam zu gestalten; Und wären wir nicht so prosaisch kalt, Wir müßten's für Märchen halten. Wer die sogenannte Trinkkuranstalt auf dem Wasserglacis in Wien gleich bei ihrem Entstehen besucht hat, dürfte sich wohl eines Leiermannes erinnern, welcher da, wo sich die Alleen kreuzen, seinen Leierkasten aufgestellt hatte und in den Nachmittagsstunden nicht ohne Zuspruch blieb. Um diese Zeit nämlich, wo sich ein großer Teil der Kinder Wiens mit ihren Ammen, Kindsweibern, Gouvernanten, Hofmeistern und Eltern einfindet, um bei sinkendem Abend der vornehmen Welt den Platz zu räumen, pflegte sich auch damals ein ziemlich belebter Kreis um den Spielmann zu bilden, der dem stillen Beobachter keine uninteressante Gruppe darbot. In der Mitte stand der Spielmann, ein bärtiger Invalide mit buschigen Augenbrauen, unter welchen ein widerlich lächelndes Auge hervorblitzte; mit einem dichten Schnurrbarte, der halb schwarz, halb grau über die aufgeworfenen Lippen hing; in grauer Jacke, dunkelfarbiger Reithose mit weißen Seitenknöpfen und mit einem Stelzbeine, das er gewöhnlich weggeschnallt und dem Stumpfe seines Schenkels nur leicht als Stütze untergeschoben hatte. Neben ihm auf einem kleinen Feldsessel saß ein Junge mit halbverbundenem Gesichte, in einer Hand ein Tamburin, worauf er mit der andern, ebenfalls verbundenen Hand, ganz dumpf und taktlos die

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