Der Leiermann
Widmung. Alt ist der Spaß, ein Leiermann Ist auch der Dichter dann und wann Und lockt hier vor'm Panoptikum Das vielverehrte Publikum. Wie's auf den Gassen läuft und hetzt Und seinen Witz im Strebern wetzt, Wie in des Volkes Kleinhumoren Die großen Herren auch rumoren, Wie aber dann der Welthumor Aus der Versenkung tritt hervor Und all die kleinen Seelenecken Beguckt zu allerhöchsten Zwecken: Das alles zeigt hier das Genie In einer Stadtmenagerie! Es wimmelt von Originalen, Mit Hinz und Kunz, als wär's zum Malen. Denkt Ihr, das wäre nur Berlin, Das Ihr hier seht vorüberziehn, So wißt, vom eignen Witz durchhellt, Ist's Gleichnis einer ganzen Welt. Und hat's sein eigenstes Milieu – Wo anders jücken auch die Fl—h! Ich fing die Tierchen alle ein, Volksdenkerflöhchen groß und klein, Ihr könnt sie drinnen hüpfen, stehn Und goldne Wäglein ziehen sehn. Der Leiermann drein gar nichts spricht, »Persönlich« hat er »Note« nicht – Er spielt fünf Stückchen sauber weg: Für'n Sechser wechselt er den Fleck. – Großlichterfelde bei Berlin. Kirchbach-Haus Wolfgang Kirchbach. Vor einem großen Häusereck mit Spitzbogenfenstern und Toren von hohen Spitzbögen gotischen Stiles stand im Hofe ein Leiermann. Er hatte den ziemlich großen und schweren Leierkasten auf den Schemel gestellt und, halb übergebeugt über den tonbrodelnden Musikkasten, drehte er eifrig die Drehkurbel. Er hatte einen flotten Spitzhut