Der Lebendige
Schwarz glänzend, von der Unzahl der Zylinder behaart, kroch der tägliche Leichenzug den Gräbern zu. Mit langsamen, aber bald rascheren Hebungen und Senkungen seiner Glieder knirschte er lebendig aus der Kapelle über den Sand. Die Erde drehte sich ihm blau besonnt entgegen. Als die Letzten aus dem dämmrigen Dampf des Gebetraums hervor ihre Hüte unter freiem Himmel aufs Haupt stülpten, folgte ihnen eine noch größere Masse, denn dieser Zug endete niemals mit den Leidtragenden. In hellen Haufen von Gesichtern verschwamm er abgeschattet in die Straßen zurück, die Menge schloß ihn jubelnd an sich und die drängende Stadt an, bis zur heißen Kneipe, aus der sie unerschöpflich stürzten, bis zum Riesenstrahlenplatze, – bis zum Ende der ziehenden Welt, die mit unverstellter Kraft den Zug wieder durchdrang, bis ihre Unbefangenheit an den erstarrenden Gesichtern vorn versagte. Auf den schrägen Schultern der Träger hob sich wie ein eckiges funkelndes Haupt der Sarg voran und schwenkte zwischen die Gräber. Um ihn war es tot. Dahinter erhoben sich aus versteckter Unterhaltung die Stimmen bald immer lauter, bis helles Geschrei zuletzt als gefühlloser Schwanz den Staub aufwirbelte. Wahrend immer mehr durch die Luft voll Bienen und Schmetterlingen in das starre Gewimmel der Gräber traten, griff die bleierne Stille nach hinten, und der Zug ihrer Köpfe ragte über ihren gehemmten Schritten bleich