Chapter

Erstes Kapitel

Silberne Fäden, schimmernd in der Morgensonne, gaukelten durch die stille Luft; langsamen Fluges kamen sie aus dem Tal heraufgezogen, in dessen sonniger Tiefe das Dorf mit seiner Kirche und den hundert Häusern gleich einem weitschichtig ausgekramten Spielzeug zwischen den herbstlich gefärbten Berghängen lag. Der vergoldete Knauf des Kirchturmes strahlte in hellem Feuer, die alten Schindeldächer schillerten wie silbergrauer Samt, und auf den neuen Häusern leuchteten die frischen Ziegel wie Metall in der Rotglut. Die welkenden Obstbäume waren anzusehen, als trügen sie keine Blätter mehr, nur eine Menge kleiner, rotwangiger Früchte. Und Buche und Ahorn spielten zwischen brennendem Gelb und tiefem Purpur. Das gegen Süden blickende Berggehänge war von der Morgensonne übergössen, das jenseitige noch von blauem Frühschatten umwoben, und über den Felswänden hoben sich die vom ersten Schnee überhauchten Zinnen mit feinen Silberlinien in das wolkenlose Blau des Himmels. Wie im Märchen die Gestalt der guten Fee von einem Zauberschleier umflossen ist, so war dieses farbenschöne Bild der Landschaft übersponnen von Flimmern und Geglitzer; das ging von den fliegenden Fäden aus, die zu Tausenden die Luft durchgaukelten; bald waren es nur winzige Dinger, die einem schwebenden Funken glichen, bald wieder lange Fadenschlangen, welche stiegen und sanken, sich spielend rollten, Schlingen bildeten

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