Chapter

Der Kurfürst und der Geldfürst

„Jetzt sind wir fertig, nicht wahr? Jetzt kehren wir in das Hotel zurück, um unser Diner einzunehmen?“ „Nein, mein Prinz, noch nicht, wir haben noch nicht alle Sehenswürdigkeiten der herrlichen Reichsstadt Frankfurt in Augenschein genommen, und da wir gleich nach dem Diner wieder abreisen müssen, so ist es nothwendig, daß wir vorher mit Allem zu Ende kommen.“ „Aber was giebt es denn noch weiter zu sehen?“ fragte der Prinz seufzend. „Ich versichere Sie, Herr Hofmeister, ich werde die Hälfte von dem vergessen, was ich gesehen habe, denn es ist zu viel, und meine Frau Mutter wird sehr erzürnt sein, wenn ich nichts von alledem behalten habe, was Sie mich sehen lassen.“ „Sie müssen Ihr Gedächtniß fleißig üben, mein Prinz,“ sagte der Oberhofmeister Baron von Emptich mit ernster Stimme. „Ein gutes Gedächtniß ist eine große Eigenschaft, namentlich für einen Fürsten, und da das Schicksal Sie einmal dazu bestimmt hat, ein regierender Herr zu werden, so müssen Sie vor allen Dingen Ihr Gedächtniß üben. Ein Fürst darf nichts vergessen, er muß das Größte, wie das Kleinste in guter Erinnerung bewahren.“ „So, Herr Hofmeister?“ fragte der Knabe, indem er seine blauen Augen mit einem scharfen, spöttischen Blick auf das edle ruhige Antlitz seines Erziehers heftete. „Ein Fürst darf nichts vergessen? Und haben Sie mir nicht erst neulich gesagt, daß ein Fürst gar kein Gedächtniß haben darf für

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