Chapter

Der Kriegsfreiwillige

Leise und zögernd zog der Abend nach dem langen, heißen Sommertag ins Zimmer. Die Umrisse der Möbel wurden unbestimmt, die Bilder an den Wänden zerflossen in Schatten, auf dem Teppich schlich noch ein Stückchen Tageslicht hin wie eine wellig gekrümmte, fast farblose Schlange. Alles war weich und mild und lind geworden, und die Großmutter sagte mit ungewohnt sanftem Ton: „Komm einmal her zu mir, Maria.“ Und Maria, die, ganz in sich zusammengesunken, in einem riesengroßen, altväterischen Sessel gesessen hatte, erhob sich leise und ging zur Großmutter hin. Sie sagte ‚Großmutter‘ zu der alten Frau, obwohl sie ihre Schwiegermutter war. Maria war am frühen Morgen von Berlin abgefahren; erst sechs Stunden mit der Bahn, dann, vom Großvater abgeholt, noch zwei Stunden Wagenfahrt. Sie war müde angekommen, und die Großmutter hatte ihr ein paar Stunden Ruhe gegönnt und sie erst gegen fünf Uhr zum Tee rufen lassen. Die Großmutter wohnte in einem kleinen, hübschen Villenort; sie hatte mit Großvater den unteren Stock eines netten Landhauses inne und sah gesund und zufrieden aus. Großvater war nicht zu Hause; er stand freiwillig auf Brunnenwache, denn irgend jemand im Orte hatte erzählt, daß die Russen durchziehen und die Brunnen vergiften würden. Da hatte Großmutter zu ihrem Manne gesagt: „Selbstverständlich wachst du mit“, und Großvater hatte sich auch freiwillig zur Verfügung gestellt und

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