Chapter

Vorwort

Dem deutschen Volke zu eigen Es gibt Worte, die eine so suggestive Macht besitzen, daß sie mit ihrem Laute gleichsam den Vorhang von einem Bilde reißen. Und der gewaltigsten eines heißt: »Krieg!« Es ist Temperamentsache, welcher Gedanke bei der Komposition des Gemäldes zum Grundmotiv wird – Grauen oder Begeisterung, Verzweiflung oder Triumph; und wenn zehn Menschen, die das Wort »Krieg« mit gleicher Wucht empfinden, sein Bild so wiedergeben könnten, wie es vor ihrer Seele steht, so würde keins davon dem andern völlig gleichen und jedes in sich selbst doch Recht behalten. Eins aber müßten sie gemeinsam haben, um wesensecht zu sein: das Riesenhafte, das Gigantische des Kriegsgedankens – das Schicksalgewaltige, das Völker und Reiche zermalmt und erschafft. Es ist das eherne Vorrecht des Krieges, Grenzen zu überschreiten, und es liegt etwas von unerhörter Größe in der Selbstverständlichkeit, mit der es geschieht. Nichts, das besteht, besteht vor ihm. Er ist ehrfurchtslos wie die Elemente selbst, wie Feuer und Wasser, wie Erdbeben und Lawinensturz. Menschliche und göttliche Satzungen tritt er unter seine Füße und hebt das Ungeheuerliche auf den Schild; der Mord wird zur Notwendigkeit – zum Hochverrat das edelste Gebot der Menschheit, das da lautet: »Liebet eure Feinde!« Der Krieg kennt nur ein Gesetz: den Willen zum Siege – und nur eine Weisheit: Sei stärker als dein Feind!

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