Kapitel 1
Die ersten Regierungsjahre der unvergeßlich genannten Kaiserin Maria Theresia waren für Böhmen eine Zeit der Drangsale und der schwersten Prüfungen. Abwechselnd in Besitz genommen und gebrandschatzt von Preußen, Bauern und Frankreich, und immer wieder erobert von den Kaiserlichen, wußte das Land am Ende nicht mehr, wem es eigentlich angehörte, wo es Recht suchen und von welcher der genannten Mächte es Ersatz für den erlittenen Schaden fordern und erwarten sollte. Dazu kam die völlige Recht- und Gesetzlosigkeit, die infolge der ewig schwankenden Zustände eintraten. Die Gutsherren, welche zugleich die Gerichtsherren waren, hatten für die verschiedenen Mächte Partei genommen und flüchteten sich, sobald die feindliche sich näherte, ihre Untertanen der fremden wie der heimischen Willkür überlassend. Der Bauer war es wieder, der unter diesen Umständen am meisten zu leiden hatte und in solcher tollgewordenen Zeit endlich gegen sich selbst zu wüten anfing. Der Krieg, die Neigung zu Händeln, die böse Lust am Hassen und an der Zwietracht hatte sich der Geister bemächtigt und sobald im Tal, im Gebirge ein Landstrich vom Feinde geräumt war, suchten die Bewohner unwillkürlich und bewußtlos nach Händeln unter sich, die größeres Unglück über das Land brachten, als alle äußeren Feinde. Der Schauplatz einer der merkwürdigsten Kriegsgeschichten dieser Art waren die Dörfer, die sich zerstreut,