Chapter

Erstes Buch: I.

Aus hundert blühenden Apfelbäumen strich eine laue Welle Frühlingsduft über die morgenflimmernde Chaussee, und aus den Büschen zu beiden Seiten schmetterte Nachtigallenjauchzen. Feine Glockentöne waren in der Luft. »Ein Tag, von Gott, dem hohen Herrn der Welt, Gemacht zu süßerm Ding, als sich zu schlagen!« zitierte Werner Achenbach und schob seinen Arm in den des neben ihm marschierenden Korpsbruders. »Du hast gut reden,« sagte der. »Bis du mal selbst vors lange Messer kommst! Aber ich, siehste! Wer weeß, ob 'ch mei scheenes grades Neeschen wieder wer' mit zuricke bring'n!« »Wie ist dir denn eigentlich zumute, Dammer?« »Nu, äbens doch e bißchen benaut,« sagte der stämmige kleine Dresdener ehrlich. »Wenn's bloß wegen der Senge wäre, nu, das tät'n mir schon machen, denk 'ch — aber daß m'r ooch den Ansprichen eines wohlleeblichen C. C. geniegt —« »Wieso?« »Nu, bei der ganzen korpsstudent'schen Fechterei kommt's doch eenzig und alleene aufs gute Stehen an!« erklärte Dammer, und was sein Leibbursch und sein Fuchsmajor ihm im vorigen Semester eingeprägt und eingeprügelt durch die Filzmaske hindurch, das setzte er dem »Krassen« in längerer Rede auseinander: daß der Hauptzweck der Mensur Erziehung zur Standhaftigkeit und Charakterstärke sei. Werner hörte kaum mehr zu. Er sah den Frühling ringsum, er fühlte die Jugend und Freiheit durch alle Glieder rieseln. Schwüler schon flimmerte die

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