Erstes Kapitel
»Island in Sicht!« Von irgend einer unbekannten Stelle ausgegangen, machte das Wort plötzlich die Runde an Bord der »Hamburg«, und alle Krimstecher richteten sich eifrig in den schweren, grauen Nebelvorhang, der sich rings um das mächtige, rastlos vorwärtsstampfende Schiff gesenkt hatte. Den ganzen Morgen fuhr man schon so in dem langweiligen Nebel hin; es war also höchste Zeit, daß man endlich wieder etwas zu sehen bekam. Aber wo? Wo zeigte sich die sagenhafte Insel, der man nun schon fünf Tage mit Erwartung entgegenfuhr? Ein eiliges Hin- und Herlaufen entstand auf dem oberen Promenadendeck nach Backbord und Steuerbord hin; jeder wollte zuerst die Insel »Thule« entdecken. »Hier, meine gnädige Frau – auf dieser Seite bitte!« Der stattliche, wettergebräunte Herr mit graumeliertem Spitzbart, im Bordanzug des Kaiserlichen Jachtklubs, winkte der Dame dienstfertig zu, die eben, zwei jüngeren Herren folgend, nach der rechten Schiffsseite hinübergehen wollte. »Sehen Sie schon was, Herr Kapitän?« Gespannt trat die Angerufene an seine Seite. »Bitte hier!« Der Herr reichte ihr sein Triëder hin und gab ihm die rechte Stellung. »Ah, wahrhaftig – ja, mit dem wundervollen Glase! Ganz deutlich – unter dem Nebelvorhang sieht man dunkle Felsen, die isländische Küste!« »Die Küste doch noch nicht. Das dauert noch ein Weilchen,« erklärte Kapitän Neidhardt, der seebefahrene alte Marineoffizier,