Chapter

Der König von Sidon

Zum dritten Male las Andreas langsam und bedächtig die lakonische Meldung aus Konstantinopel, die der Telegraphenbote vor einer halben Stunde bei ihm abgegeben hatte. Er kannte sie auswendig, aber es war ihm trotzdem ein Bedürfnis, sich jedes Wort noch tiefer einzuprägen. Die Aufregung, die sich beim ersten Lesen der Depesche seiner bemächtigt hatte, war stetig gestiegen und wurde durch die widersprechenden Gefühle, die ihn wechselseitig beherrschten, immer mehr geschürt. Er empfand die dankbarste Freude für das heißersehnte Glück, das ihn nun, wie es schien, endlich und doch wiederum viel früher, als er zu hoffen gewagt hatte, beschieden werden sollte, zugleich aber auch eine gewisse wehmütige Trauer darüber, daß er sich gerade jetzt – und vielleicht auf lange Zeit – von der Heimat zu trennen habe. Sie war ihm nie so lieb und teuer erschienen, wie in diesen sonnigen Frühlingstagen! Dann aber machte er sich wieder bittere Vorwürfe darüber und schalt sich undankbar, daß seine Freude nicht ungetrübt sein konnte. Schon von früher Jugend auf hatte er eine besondere Vorliebe für die fernsten Tage der grauen, von der Wissenschaft nur unvollkommen wieder aufgelichteten Vergangenheit empfunden, und in den Jahren des Heranreifens hatte ihn die echte und ernste Begeisterung für die Erforschung des Altertums erfaßt. Er war Archäologe geworden mit Leib und Seele. In seinen Ansprüchen von

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