Chapter

I.

»Ich hätte das nimmer von dir geglaubt, Agnes! Habe immer gemeint, du seiest ein ehrbar Mägdelein, das etwas halte auf seinen Kranz. Statt dessen triffst du dich mit dem Gast unseres Hauses, Herrn Jakob Topler, des Abends im Laubengärtlein und liegest in seinen Armen und lässest dich von ihm küssen! O pfui, sage ich, und ich werde das nicht dulden, denn ich bin dir von deinem Vater selig zum Vormunde gesetzt bis zu deinem zwanzigsten Jahre. Nein, ich leide solch Wesen nicht, und ich werde dich zu den frommen Frauen von Sankt Clara in die Zucht geben, auf daß du ein sittsam Leben lernest.« So redete in halb klagendem, halb strafendem Tone der ehrbare und vielmögende Ratsherr der freien Reichsstadt Nürnberg, Herr Ulrich Haller, zu seinem Mündel, der achtzehnjährigen Patrizierin Agnes Waldstromerin. Mit der Linken hielt er dabei seinen ehrwürdigen weißen Bart umfaßt, die Rechte hatte er drohend erhoben, so daß der ungeheure Türkis seines Siegelringes im letzten Abendlichte, das durchs Fenster hereinfiel, funkelte und blitzte. Seine Worte schienen indessen nicht den gewünschten Eindruck hervorzubringen. Das junge Mädchen hatte zwar die Augen gesenkt, wie sich das bei einer Strafpredigt geziemt, aber es zuckte mehrmals wie ein verhaltenes Lachen um den vollen kirschroten Mund. Als er aber zum Schlusse die Nonnenschwestern erwähnte, warf sie den zierlichen Kopf trotzig in den Nacken,

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