I.
Über die verschneiten Grattannen des Heitligeers ob dem Euthal kam ein roter Schein. Wohl das Widerspiel der Abendsonne, die hinter der wilden Schrähhöhe und dem Stäubrig eben unterging. Aber der rote Hauch verlor sich in die Stube des schöngelegenen Sonnhaldenhauses und machte sie also hell und freundlich, als würde es Morgen statt Abend. Die grünglänzenden Kacheln des gewaltigen Ofens, der zwei breitvortretende Umgänge, wie eine starke Wehr, um sich hatte, zeigten deutlich all die Leute, die um den kuhbeinigen Tisch hockten und zu Nacht aßen. Den schon etwas angegrauten, rauhborstigen Kopf des Sonnenhaldenbauers, des Sennen Sebimaria Ruhstallers, die Flachsschöpfe seiner zwei kleinen Buben Sebeli und Bäneli und die ernsten Augen Marielis, des nur wenig ältern Töchterleins; das emsig tätige Kauwerk der Lunn, der breitschulterigen, grobknochigen Magd und ihre wulstigen, aufgestützten Arme; den freiwilligen Knecht aus dem St. Galler Tiefland, den Vitus Wiler. Aber ganz besonders spiegellauter gaben all die grünen Ofenkacheln das lachende Gesicht Bethlis, der erwachsenen Haustochter, die nicht ruhig sitzen konnte, wieder. Eben ging ihr Kichern, wie das Raunen, Quirrlen und Schluchzen eines unter Waldfarn und Blumen verborgenen Bergwässerleins, um den Tisch und ihre Augen sahen schalkig, verstohlen zum Ofen auf, von dem jetzt eine Stimme kam: »Madame, ma reine, wie säumt ihr doch