Der König auf Besuch
Der König auf Besuch. Historische Novelette. Dresden hatte am 9. September 1756 die Ueberraschung gehabt, die vom Feldmarschall Keith befehligte Armee in seine Mauern einrücken zu sehen, und am nächstfolgenden Tage erschien König Friedrich der Zweite, wie ein stiller Reisender, ohne Kanonendonner, Glockengeläute und sonstige Empfangsfeierlichkeit. Er nahm Quartier in dem Palais Mosczynski, dessen Besitzerin, als wäre der Wechsel ihrer Wohnung eine in aller Güte und Freundschaft verabredete Sache gewesen, das Weite gesucht hatte. Ohne Schwertstreich und Flintenschuß war dieses königlich preußische Gastspiel auf sächsischem Grund und Boden eröffnet worden; die einzige Illustration, welche diese Veränderung hervorrief, bestand in dem verblüfften Dreinschauen der Residenzbewohner, von denen die Mehrzahl die Hände in den Taschen ballte, nicht nur weil die Tischgäste, die, so zu sagen, ihnen in’s Haus fielen, eine Belastung ihres Geldbeutels waren, sondern auch weil das fremde Blauroth ihren Augen wehe that. Die sächsische Armee hatte sich vor Ankunft der Preußen auf ihres Königs oder vielmehr dessen sauberen Ministers Brühl Befehl von der Landeshauptstadt in ein festes Lager bei Pirna zurückgezogen. Dreißigtausend Mann standen als schlagfertig auf den Papieren verzeichnet, welche Brühl seinem Herrn vorgelegt; es fehlte indeß die Bemerkung dabei, daß es nur siebenzehntausend Mann