Vorwort: Der kleine Tod
Den kleinen, kleinen Tod, den stürb ich gerne, Am Abend tot, beim Licht der ersten Sterne, Am Morgen aber wieder auferwacht, So wüßt ich, wer da weint und wer da lacht; So wüßt ich, ohne einen drum zu fragen, Die Namen aller, die mich tief beklagen. Gestorben sein und auf der Treppe stehen, Und sehn, die mir mein Totenkleidchen nähen, Gestorben sein, und alles doch bedenken, Und alle kennen, die mir Blumen schenken: Und wer das Kreuz mir trägt, ich würd es wissen, Und wer mir weinend schmückt das Sterbekissen. (Aus dem Toskanischen) Als Frau Hilaria an jenem Abend ihren Augen im Spiegel begegnete, biß sie sich auf die Lippe. Denn ihre Augen sahen sie an, wie Freunde, die alles verstehn: da war eine Hoffnung, eine Angst, etwas, das mit einem kleinen heißen Punkt im Herzen anfing und sich rieselnd ausbreitete, über Hals und Brust, die fröstelnden Arme entlang bis in die Fingerspitzen; als säße man in einem bald eisigen, bald glühenden Netz. Schmerzhaft war's und wie Betrunkensein, die Augen wurden ihr naß und brannten die Tränen doch gleich wieder auf. So, ganz ähnlich, war ihr neulich zu Mute gewesen, als Ellinors Kleinstes mit den winzigen Händchen sie angefaßt hatte, ihre Schultern, ihre leise schauernde Brust. Früher, ah, da hätte sie gedacht, das sei für alle Ewigkeit; und ebenso bestimmt würde sie gemeint haben, ihr Gefühl müsse Antwort finden. Denn mit tausend flimmernden