Chapter

Kapitel I

Der Festgottesdienst am Nachmittage war aus und die Kirchenbesucher gingen auseinander. Innerhalb der steinernen, weißgetünchten Umfriedung standen noch einige Leute unter den alten Linden und Ahornbäumen und plauderten. Sie hatten Sonntagskleider an und blickten froh aus den Augen. Es hatte den Anschein, als wäre das Leben in dieser Stadt ein friedliches und freundliches, — ja sogar ein fröhliches. Aber das schien alles nur so. Bei seinen Freunden stand der Gymnasiallehrer Peredonoff. Seine kleinen, verquollenen Augen schielten verdrießlich durch die goldene Brille, und er sagte: „Sie selbst, die Fürstin Woltschanskaja, hat es der Warja versprochen; das stimmt jedenfalls. Heiraten Sie ihn nur, hat sie gesagt, dann werde ich ihm eine Inspektorstelle verschaffen.“ „Wie kannst du denn Warwara Dmitriewna heiraten?“ fragte Falastoff; er hatte ein rotes Gesicht, „sie ist doch verwandt mit dir! Gibt es so ein neues Gesetz, daß Verwandte[1] heiraten dürfen?“ Alle lachten. Das frische, für gewöhnlich gleichmäßig schläfrige Gesicht Peredonoffs wurde böse. „Kusine im dritten Grade,“ fuhr er auf und stierte wütend an seinen Freunden vorbei. „Hat es die Fürstin dir persönlich versprochen?“ fragte Rutiloff. Er war groß, blaß und stutzerhaft gekleidet. „Mir nicht, aber Warja,“ antwortete Peredonoff. „Sieh mal an, und das glaubst du?“ sagte Rutiloff lebhaft. „Sagen kann man alles. Und warum

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