Der Kinder Sünde der Väter Fluch
Vom Ifinger, der in grauer Vorzeit mit einem gewaltigen Erdsturz die alte Maja verschüttet und den Abhang gegründet hat, auf dem jetzt die Häuser und Weingärten von Obermais stehen, geht eine tiefe Schlucht östlich von Meran in das Etschthal hinab. Der Wildbach, der sie durchströmt, ist den größten Theil des Jahres hindurch eine kümmerliches Wasser, das im Hochsommer zwischen Gestein und gelbem Sand vollends versiegt, so daß sein tiefes Bett so gefahrlos zu betreten ist, wie droben die hochgeschwungenen hölzernen Brücken. Wenn im Frühling der Schnee jählings ins Thauen kommt, füllt sich auch die Rinne der Naif mit einem trüben Schwall, in dem keine Fische athmen mögen. Weiter ins Jahr hinein aber, bei starkem Ungewitter, Hagelschlag und Orkan, scheint sich alle Wuth der Elemente in dieser einsamen Schlucht zu sammeln. Dann lösen sich die zähen Erbmassen, mit denen das Granitgerippe des Ifinger umkleidet ist, in einen dunkelbraunen Schlamm, den die Quelle der Naif mit Ungestüm fortwälzt; große Felsblöcke, Bäume und Rasenstücke folgen dem Sturz, mit immer wachsendem Getöse stürmt der Höllenbrei aus der Enge ins bewohnte Thal hinaus, und über eine Stunde weit hört man den donnernden Fall und spürt das Beben der Erde. Wenn es Nachts geschieht, wachen die Bauern weit und breit davon auf und horchen ängstlich hinaus. Die Naif kommt! sagen sie und beten. Die aber zunächst wohnen