Chapter

Erstes Kapitel

Mitternacht ist vorüber; am Himmel fliegen die zerrissenen Wolken hin, und von Zeit zu Zeit den dunklen Schleier durchbrechend, ergießt der Mond sein bleiches Licht über meinen Horizont. Alles schweigt, nur das Zittern meines mit Eis bedeckten Fensters und der Nordwind, der zuweilen sein langes Wehgeheul vernehmen läßt, unterbrechen die große, unendliche Stille. – Meine Seele ist traurig – traurig wie die Erde, deren verwelkte Blüthen der Winter mit seiner Schneedecke einhüllt, wie der düstere Himmel, durch dessen Schleier nur hie und da einzelne Sterne blinken, wie diese große winterliche Natur, mit der mein Herz sich so verwandt fühlt. Arme erfrorene Erde, wie schön warst du vor deinen Wintertagen, wie schwoll jede Brust bei deinen reizenden Wundern. Die ewige Größe des hohen Berges mit neuer Blüthe bedeckt, das freundliche Thal und der klare Fluß, die mächtige Entwicklung, von der hohen Eiche angefangen bis zum kleinsten Grashalm hinab, überall, wohin das Auge sich wandte, frisches Grün und Blüthen, überall glückliche Geschöpfe und Freudentöne: so warst du damals, und jetzt – –! Wohin sind deine Blumen gekommen, wohin der schmetternde Wonnegesang der Lerche, wo ist dein reiner Himmel mit seinen warmen Strahlen? Alles ist verschwunden, Alles, was in deinem Gebiete schön und reizend war, und du stehst kahl, in deinem Winterkleid ein würdiger Aufenthalt des Menschen, damit er

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