Handelt schicklicherweise von Zeit, Ort und Umstanden
Der Herr Bürgermeister Hansjakob Pentenrieder gehört zu den in gelehrten Künsten erzogenen Menschen, mit denen man ganze lange wohlgepflegte Sätze in lateinischer Sprache reden kann. Er weiß auch eine Menge von Gesetzesparagraphen völlig auswendig herzusagen, nach denen Tagdiebe, vagierende Handwerksgesellen und abscheuliche Hausierer durch die Ortsgerichtsbarkeit über ihr schändliches Tun und Treiben aufgeklärt und per poenam geläutert und zu besseren Menschen umgewandelt werden müssen. Aber außeramtlich trägt der Herr Bürgermeister eine freundliche Glätte auf Stirne und Wangen und hantiert mit honettem Entgegenkommen gegen jedermann in dem großen Ladengeschäft »Melchior Pentenrieder seligen Erben« (das von den Vorfahren her immer vom Vater auf den Sohn vererbt worden ist). Das Geschäft zeigt viele kirschbaumene Stellagen und Schränke, gibt Samt und Seide an die Frau Amtmännin ab und bedruckten Kattun an der Frau Amtmännin Kuchelmagd. Herr Pentenrieder verkauft ditto an den bemittelten Bürger ostindische Gewürze, Kaffee und Rosogliowein, ingleichen an die unbedeutenden Ortseinwohner Salz, Melissengeist und Peitschenschnüre. Er legt für unerfahrene Menschen Kapitalien auf Zins an, versorgt auf eine gute Tagesreise hin alle kleinen Landkrämer mit Notwendigkeiten und Nützlichkeiten und gilt als der Ratgeber der Unternehmungslustigen. Alle Witwen kommen zu ihm, sich über die