Ein Mann wird gewarnt
Zwei Männer kommen über die Kille. Früher trug diese kleine Erhebung, zwischen Essen und Hagen in einen Knick der Ruhr hineingekuschelt, keinen Namen. Die Kinder der Bergarbeiter sprachen zuerst von der »Kille«, die Alten hörten es, dachten darüber nach, langsam bewegten sich die Gedanken in ihren müden Köpfen. Die Kumpels sprechen nicht viel, sie halten lieber den Mund zu, sonst bekommt man Kohlenstaub hinein. Von den Zechen zur Stadt führt der Weg über diesen kleinen Berg. Täglich marschieren die Arbeiter in drei Schichten hinüber und zurück. Ein Stück Weg, der zehn oder fünfzehn Minuten lang nicht an Essen vorüberführt, an Kaminkühlern, Walzwerken, Hochöfen, Laufkränen, Drahtseilbahnen, Dampfhämmern. Ein Stück Weg mit frischen, duftenden Tannen, mit festen Wiesen dazwischen. Sie erzählen in ihren Koloniehäusern, wenn sie müde nach Hause kommen, nicht von jenem grünen Berg, den sie jeden Tag passieren, aber einer sagt vielleicht: »Heute habe ich Otto getroffen« und fügt, hinzu: »Auf der Kille.« So haben die Kumpel diese Benennung übernommen, die so oft von den Kindern gebraucht wurde; einige merkten nur, daß vor dem blutigen Jahr das Wort noch unbekannt war. Damals, neunzehnhundertzwanzig, als der große Aufstand des Ruhrproletariats zusammengeschossen und verraten wurde, erhielt der Berg seinen Namen. Die beiden Männer schreiten schnell aus. Es ist möglich, daß sie die ersten