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Erstes Buch: Der Schuldige

Erstes Buch: Der Schuldige An den Pastor Desartiguer Engelberg, Oberrhein Mein lieber Samuel, ich wähle die Briefform, aber nicht um mit Dir eine seit so langer Zeit unterbrochene Korrespondenz wieder anzuknüpfen. Als Schüler und Studenten verlebten wir unsere Jugend wie zwei Brüder; vom Leben getrennt wechselten wir Briefe, erst häufig, dann seltener, und schließlich hörte durch meine Schuld, wie ich zugebe auch dieser magere Verkehr auf. Was denkst Du über mich an diesem Sommerende des Jahres 1927? Wahrscheinlich nichts besonders Schmeichelhaftes, und vielleicht bin ich noch weniger wert, als Du denkst. Trotzdem bin ich Deines Herzens sicher. Du hast für mich nicht aufgehört, den stärksten sittlichen Wert in Deiner Person zu verkörpern, und ich kann Dir versichern, daß in angsterfüllten Stunden Dein Wort und Dein Beispiel in mir immer lebendig werden. Das besagt leider Gottes nicht, daß ich mein Leben danach gerichtet hätte! Aber so seltsam Dir das auch erscheinen mag nach so vielen Jahren des Schweigens und der Trennung, kann ich Dir doch ohne Übertreibung sagen: Ich habe keinen andern Freund als Dich. Beweis dafür ist das Testament, das ich Dir hier mit der Bitte schicke, sein Vollstrecker zu sein. Es ist, wie Du siehst, 1925 datiert, aber keineswegs vordatiert. Ich habe es wirklich im Jahre 1925 vom Notar Capot in Boursès aufsetzen lassen. Ich fühlte mich damals und zum

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