Ein Garten Aus Steinen
Am Tag, an dem sie Sankt Anna abrissen, ging Theo nicht hin.
Er ertrug es nicht zu hören, was die Steine sagen würden, wenn sie fielen. Seine Großmutter verstand das. Sie hielt ihn zu Hause, gab ihm Aufgaben und schaltete das Radio nicht ein.
Eine Woche später kam der Pflasterstein hinten in den Garten ihrer Großmutter.
Theo hatte die Bauarbeiter sehr höflich gebeten, ihn flach direkt innen am Hintertor abzulegen. Er hatte sie gebeten, vorsichtig mit ihm umzugehen. Sie waren vorsichtig gewesen.
Der Pflasterstein gehörte jetzt Theo. Es war derselbe Stein, der sechshundert Jahre lang die Schwelle der Dorfkirche gewesen war.
Theo und seine Großmutter bauten daneben eine kleine Bank. Theo pflanzte rund um die Bank einen kleinen Kreis aus Pflanzen — Thymian, Rosmarin, einen einzigen Schlehen-Steckling vom alten Friedhof von Sankt Anna. Die Pflanzen würden Jahre brauchen, um zu wachsen.
Theo brachte das Notizbuch mit Namen und Geschichten zum Gemeinderat. Sie ließen es, behutsam von einem echten Ortshistoriker korrigiert, als kleines Buch mit dem Titel *Sankt Anna: Eine kurze Erinnerung* drucken. Es verkaufte sich dreihundert Mal. Das Geld kam in einen Fonds für die neue Kirche.
Der Herdstein blieb im Pfarrhaus.
Der Kapellenstein wurde im Museum ausgestellt.
Andere Dinge gingen verloren. Theo hatte nicht alles retten können. Die Steine in der Friedhofsmauer waren zu Schotter