Der Jahrmarkt
Auf einem großen, schön gelegenen Dorfe lebte ein Pfarrer, wohlhabend und behaglich, denn »ihn drückte nicht die Last schwerer Gelehrsamkeit, noch litt er am Podagra«, oder einer andern Krankheit. Herr Gottfried war in sich vergnügt und kümmerte sich nicht sonderlich um den Lauf der Welt. Seine Frau war noch ruhiger, und Rosine, ihr einziges Kind, erwuchs in stiller Einsamkeit, indem sie jeden Tag sich zufrieden zum Schlafe nieder legte, manchmal nur darüber verdrüßlich, daß sie ihren theuren Fritz nicht hatte sehn können. Dieser, der hoffnungsvolle Sohn des Amtmanns, mit ihr aufgewachsen, war ein rüstiger kluger Jäger, ein Freund von Romanen und wunderbaren Geschichten, treu, unerfahren in den Welthändeln, da er bis jetzt sein Dorf nicht verlassen, und keinen andern Unterricht, als den des alten Schulmeisters genossen hatte. Man kann nicht immer zufrieden seyn, auch wenn man im Schoos der Zufriedenheit selbst leben sollte. Die Befreundeten, die sich täglich sahen, schwärmten oft, wenn sie Reisebeschreibungen lasen, von Ausflügen in die ferne Welt, von Wunderbegebenheiten, die sie erleben würden und erleben möchten, und am eifrigsten war die Gemahlin des Amtmanns im Phantasiren, was alles geschehn sollte und könnte, die keine Aussicht hatte, das große, weitläufige Amtsgebäude 6 jemals zu verlassen, weil sie es in ihrem gichtkranken Zustande kaum möglich machen konnte, die