Der inwendige Garten
Es wäre das erste Mal,« sagte der Graf lächelnd, »das erste Mal, daß wir uns streiten! Sollten wir das nicht doch noch etwas verschieben, Hedl?« »Ich hab nicht angefangen«, erwiderte die Gräfin, ihr hartes Kinn vorschiebend. »Übrigens weißt du ja, daß ich deinen Wünschen gehorche. Da du mich aber fragst, darf ich sagen, daß mich ein banges Vorgefühl warnt«. »So seids ihr!«, rief der Graf, halb ärgerlich lachend. »Wenn es euch an Gründen fehlt, muß ein Gefühl herhalten und dagegen kommt dann natürlich kein Argument auf!« »Du hast mich gefragt und ich antworte. Es bleibt dir unbenommen zu beschließen, was dir gutdünkt. Das weißt du doch. Aber wenn ich nicht nach meinem Sinn antworten darf, dann frag mich erst lieber nicht!« »Du nimmst gleich immer alles tragisch! Was will ich denn? Raderer schreibt mir in seiner gewohnten lustigen Art, die sein Elend kaum durchblicken läßt, ob ich ihm nicht irgendwo eine Stellung weiß, als Bergführer, Hofmeister, Stallknecht, Portier oder Hausdiener. Wenn ich nicht von anderen wüßte, wie verzweifelt es mit ihm steht, gar seit er sich durch seinen Ungestüm, seinen Haß gegen alle Kompromisse, seinen Trotz, der keine Geduld kennt, nun auch gar noch selbst mit den Legitimisten überworfen hat, in seinem Brief steht kein Wort davon, keine Klage, keine Bitte! Er fragt bloß an, und eigentlich bloß halb im Scherz, als wär's bloß eine Laune von ihm, bloß