I
»Hast du ein Taschentuch, Kleiner? Sei mir auch ordentlich beim Herrn Forstrat und bescheiden!« Die großen, schwarzen Augen des »Kleinen« strahlten voll Übermut und Zuversicht. Er ließ sich noch einmal das Halstuch zurechtrücken, den Hut, der eine verzweifelte Vorliebe für das linke Ohr zu haben schien, genau zentrieren, mit der Bürste über den grünen Rockkragen und mit dem Kamm durch die glänzenden Haare fahren, strich sodann selbst zweimal den zarten Flaum auf der Oberlippe, wobei das Mütterlein verstohlen an ihm hinaufsah und lächelte, und war fertig. Ein Händedruck, ein munteres Adieu, und schon krachte die morsche Treppe unter seinem kräftigen Tritt. »Er hat noch eine halbe Stunde Zeit«, flüsterte die Mutter mit einem kaum unterdrückten Seufzer. Still setzte sie sich dann an dem verlassenen Nähtischchen nieder und sah gedankenvoll die engen Gassen des Städtchens hinauf. Mutterliebe und Sorge Sind wohl das Gleiche. Man ist sehr anständig in Nußweiler. Man war's vor zwanzig, dreißig Jahren noch viel mehr. Jedermann, der sich zu den Honoratioren rechnete, wußte das, und fügte sich darein. Ob sich der junge Forstassistent nicht dazu rechnete, oder ob er's nicht wußte, bleibe unentschieden. Tatsache ist, daß nach fünfzig Schritten sein Hut so schief auf seinen Haaren saß als je, und daß er in den Kot getreten war, der zum Zweck der Straßenreinigung in Haufen angesammelt wurde,