Elftes Kapitel
Claire war allein in dem großen Schlafzimmer zurückgeblieben und ihre Augen irrten unstät in dem in ernstem Charakter gehaltenen Gemach umher. Die Lampen erhellten mit mildem, gedämpftem Lichte die alten Tapeten, welche die Wände bedeckten und auf denen die wunderbare Liebesgeschichte Rinaldos und der Armida dargestellt war. Unter einem Zelte aus Purpur und Gold, zu den Füßen der Zauberin liegend, lächelte der Ritter, indem er mit schlaffer Hand einen großen ciselierten Becher emporhielt. Weiterhin durchstreiften die zu seiner Befreiung herbeigeeilten Ritter den Wald, mit Hilfe ihres Zauberschildes die Ungeheuer verjagend, die ihnen den Weg zu versperren suchten; und zuletzt Armida, kämpfend in der Schlacht, die unter den Mauern Jerusalems zwischen den Christen und den Truppen des Kalifen stattfand. Weiße Einhorne zogen den zweirädrigen Wagen, in welchem Armida hoch aufgerichtet und zürnend die furchtbaren Geschosse ihres Köchers auf den mit dem Blute der Ungläubigen bedeckten Rinaldo schleuderte. Eine wundervolle Truhe von Ebenholz aus der Renaissance, mit vielfarbigem Marmor eingelegt, stand dem sehr schönen aus Birnbaumholz geschnitzten Himmelbette gegenüber, dessen Vorhänge aus Genueser Samt mit großen Blumenbouquets auf maisgelbem Grunde geschmückt waren. Ein prächtiger Schubladenkasten im Stile Louis XIII. aus schwarzem Holz, mit Kupfer eingelegt, ersetzte die sonst