1. Kapitel. Der Klub der Fünfzig.
Eginhard von Blendel war gerade an der Ecke Friedrichstraße und Linden durch einen verzweifelten Sprung einem plötzlichen hinter einem Möbelwagen auftauchenden Auto glücklich entronnen, als er in dem mit etwas fragwürdiger Vornehmheit gekleideten Herrn, den er bei diesem Rettungsversuch angerempelt hatte, seinen Schulfreund Werner Lossen wiedererkannte. „Verzeihung“, hatte der Hüne Blendel zu dem fast einen Kopf Kleineren gesagt, um dann sofort hinzuzufügen, indem er dem seit Jahren ihm aus den Augen Gekommenen beide Hände in ehrlicher Freude entgegengestreckte … „Wahrhaftig – Lossen – Du?! – Na, das nenn’ ich mal ne frohe Überraschung.“ Es war um die achte Abendstunde, und an diesem warmen Oktobertage zeigte die berühmte Kranzlerecke ein echtes Bild Berliner Großstadtlebens. Ein förmlicher Menschenwall wartete auf die Gelegenheit, ungefährdet die sich kreuzenden beiden Hauptverkehrsstraßen überschreiten zu können. Über all diese Köpfe hinweg trompetete Eginhard von Blendel seine Begrüßungsworte und zwar mit dem doppelten Erfolge, daß Werner Lossen den Freund scheu und verlegen anblickte, und einige Witzbolde in der Menge mehr oder weniger geistreiche und ebenso laute Bemerkungen über diese Wiedersehensszene machten. Blendel hatte kaum den gequälten Gesichtsausdruck seines alten Schulkameraden erkannt, als er auch schon seinen Arm in den Lossens schob und den Freund nach der