Chapter

Erstes Kapitel

Es war der letzte Sonnabend im Maien. Vor acht Tagen hatten die Pfingstglocken geläutet. In lustigen Sprüngen hatte die kleine Glocke als erste ihre Klänge in den Maienmorgen hinausgeschickt. An jedes Fenster sollten sie klopfen. Das aber war nicht leicht; denn wo sich sonst allenfalls eine bescheidene Rose zur Sommerreise angeschickt, da stand heute eine schlanke Birke. Die Burschen in Schönbach hatten in der Nacht ihren Mädeln die Pfingstbirken gesetzt. Keine war übersehen worden, und es ging keine häßliche Häckselspur von einem Hause zum anderen. Die schlankeste Birke stand vor einem der kleinsten Häuser, und jeder im Dorfe hatte das in der Ordnung gefunden; denn in dem Hause wohnte die Marie Berteles, der aus ihren Kindertagen die Koseform des Namens geblieben war. Kein Mensch nannte sie anders als das Mariele, obwohl sie nun reichlich zwanzig Jahre und selber so schlank wie eine Pfingstbirke war. Es war wunderlich: Das Mädel hatte nicht eine einzige Neiderin, und es wäre doch Ursache zum Neid gewesen, denn — — — Doch das war ja noch nicht so weit, und man soll nichts berufen. Wundervoll jung und glücklich hatten die Birken ausgesehen, und glücklich waren am Morgen die Augen der Mädel gewesen. Am glücklichsten die des Mariele. Als die zweite Glocke nun mit der kleinen Weckerin zusammen mahnte: Macht euch so langsam fertig, ihr Leute! da hatte das Mädel seine Hand an das

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