Erstes Kapitel
Der Tag begann. Schon hatte der Himmel mattes Licht, in dem die erlöschenden Sterne nur noch wie Nadelspitzen sichtbar waren. In der Tiefe des langgestreckten, von Osten nach Westen ziehenden Tales lag noch die Nacht mit schwarzen Wäldern, und über den Bergen, die das Tal auf beiden Seiten geleiteten, hing noch die Dämmerung, deren Schleier alle Felsen in ein stilles Grau verschwimmen ließ. Dieses gleiche Grau lag über dem weiten Almfeld der isolierten Bergmasse, die das lange Tal gegen Osten mit steinernem Riegel schloß, von den seitlichen Bergen durch enge Waldschluchten geschieden. Mit dunklen Wellen hob sich das hügelige Almfeld gegen die Steinwände des Berges, der als steile Pyramide aus finsteren Wäldern stieg. Dieser Berg im Dämmerdunkel des Morgens sah anders aus als die anderen Berge. Er hob sich wie ein Geheimnis in die Lüfte, tiefschwarz, mit bläulichem Schimmer in dieser Schwärzte. Über den Wipfelkämmen, die an seinen Flanken hinaufkletterten, hatte der Himmel roten Schein, und flimmernde Glutlinien umzogen das dunkle Haupt des Berges. Im Gezweig einer alten Fichte, die sich schwarz inmitten des grauen Almfeldes erhob, begann eine Ringdrossel leise zu zwitschern. Das war eine schüchterne Frage: »Tag, du schöner, kommst du nun bald?« Ein Laut, als hätte eine Tür gegen hölzerne Balken geschlagen. Hochwild, das äsend über das Almfeld gezogen, wurde flüchtig. Nahe dem