Chapter

Der Hof in Flandern

Gleich einem stahlblauen Schilde stand wolkenlos der Himmel über der französischen Erde. Vorwärts des Höhenzuges schien dem Auge die Landschaft verlassen. Auch das Ohr, hinausgeschickt von der bewaldeten Höhe, vernahm nichts in der Totenstille, als sei das ganze weite Gebiet dort unten nur ein längst erloschenes Himmelsgestirn. Und, wie auf Mondkarten, meinte man im strahlenden Sonnenlichte Streifen, Krater, Meere zu erkennen. Doch als der Blick an Schärfe gewann, ward das Wunder all des tiefen Schweigens offenbar: zerschossene Dörfer lagen dort, von den Ringen der Schützengräben umzogen, doppelt, einander bedrohend mit stummer Gegenwart. Rückwärts des Höhenzuges, der wie ein Wall von Nord nach Süden strich, das gleiche Bild: Ruinen, halbabgeerntete Felder. Aber nicht tot war hier das Land: auf den Straßen schoben sich Kolonnen hin, scheinbar ohne Zweck und Ziel; an den Einfriedigungen, aus den Trümmern der Ortschaften, stieg blauer Rauch empor, sich kräuselnd im leisen Winde. Von irgendwoher klang durch die Mittagssonnenstille der Schlag einer Uhr. »Das ganze verfluchte Aribes da unten ist zum Deubel, aber die Uhr ziehen die Kerle jeden Tag noch auf! Hat doch jar keenen Zweck!« Der Artilleriehauptmann Wessels, in feldgrauem, schon etwas abgetragenem Waffenrock, ohne Säbel, ohne Sporen, die Feldmütze gleich einem weichen in sich zusammengefallenen Lappen auf dem Kopfe, sagte es

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