Vorwort
Lesage steht inmitten des Uebergangs aus dem dogmatischen siebenzehnten in das skeptische achtzehnte Jahrhundert; er ist der Sohn einer Zeit, in welcher die große Emancipation der Ideen, die flüssige Strömung der modernen Gedanken beginnt, aber auch erst beginnt. Der Charakter und die Entwicklung seiner Epoche prägt sich deshalb mehr in seiner Form als in seinem Inhalt aus. Während jene die Anmuth und die von Humor angehauchte Eleganz zeigt, welche nur die Freiheit und Klarheit des Denkens verleihen, tritt uns der Inhalt seiner Werke mit einer Kritik des Lebens entgegen, die noch weit entfernt ist von der ätzenden Schärfe der skeptischen Autoren, welche ihm folgten, und, wie z.B. Voltaire, so viel in seiner Schule lernten. Deshalb ist Lesage immer der Liebling ruhiger und milder Weltbeobachter gewesen. Er zeichnet die Schwächen der Menschennatur desto wahrer und treffender, je weniger er sich dabei erhitzt, je mehr er zu jener Schule kühler Darsteller gehört, die wohl den Muth haben, der Welt die Wahrheit zu sagen, aber nicht die Absicht, sie zu strafen, oder den Glauben, sie bessern zu können. Alain René Lesage wurde 1668 zu Sarseau geboren. Sarseau ist ein Dorf in der Nähe von Vannes, und in diese Stadt, zu den dortigen Jesuiten, wurde Lesage in die Schule geschickt. In Vannes erhielt er auch seine erste Anstellung, ein kleines Amt beim Steuerwesen, Dann zog er nach Paris –