Lyshätta
Mörkedal am Nebbefjord ist ein abgelegenes, weit über Berglehnen hingesprengtes Dorf im westlichen Norwegen dicht an der Küste; nur eine schroffe Felsenmauer scheidet den kleinen Fjord von der offenen Nordsee und an seiner Mündung das Klippenlabyrinth des Schärengartens. Das Thal ist sehr eng, finster und wenig fruchtbar, daher denn größere Schiffe die Gegend niemals anlaufen, selbst nicht die regelmäßigen Dampfer, die von Drontheim hin- und hergehen. Und das um so weniger, als die Einfahrt hier zu den gefährlichsten gehört wegen der zahlreichen blinden Klippen, welche wohl zur Ebbezeit sichtbar werden, bei Flut und bei Sturm dagegen völlig verschwinden und die Merkzeichen des Fahrwassers nicht mehr erkennen lassen. Die Fischer von Mörkedal freilich kennen ihren Weg auch so, außer wenn eine stürmische Nacht oder Nebel sie draußen überrascht: dann aber wären selbst sie verloren ohne das Notfeuer auf dem Felsen Lyshätta, das die Kameraden in solchen Fällen entzünden und unterhalten, bis der Vermißte eingelaufen ist oder der Tag seinen Untergang zur Gewißheit macht. Der Lyshätta fällt mit steiler Wand grade ins Meer, ohne vorgelagerte Schären, nur daß an seinem Fuß sich eine breite Steinplatte gleichsam tastend vorstreckt, die bei Landwind und ruhigem Wetter sogar eine Landung gestatten würde, wenn etwa Jemand auf einen so wunderlichen Gedanken verfallen sollte, diesem öden und