Chapter

Der Herrensepp

Im Edelgrund. Das ist ein kleines, von hohen Bergen umfriedetes Wiesental. Der Alpenrosenstrauch grünt an den Hängen dieses Tales, kommt aber selten zur Blüte, denn die liebe Sonne fällt nur von Floriani bis Jakobi in den Edelgrund. Hochruck heißt der Bergwall, der sich mit seinen grauen, gletscherumpanzerten Massen vor das Auge des Himmels stellt, das da jeden Tag um den Erdball wandelt, um all seine lichtdurstigen Kinder zu zählen und zu hüten. Gegenüber diesem Bergwall, in dem Hintergrunde der Schluchten, erhebt sich der wildzerrissene Gebirgsstock, die Finsterfölz mit den drei Leuchtern. Die drei Leuchter sind drei kalkweiße Felshörner, welche über die Firnen und Kare des wüsten Bergstockes emporragen und in ihrem Widerscheine ein blasses Licht niedersenden in die Schattengründe des Tales. Zuweilen, wenn die Türme dort oben im Morgenrot oder Abendscheine glühen, als ob in der Himmelsbläue drei Lunten loderten, liegt ein Purpurton in der Dämmerung der Schlucht, und der Edelgrund hat rote Schatten. Die Felsengebilde dieser Engtäler sind unsäglich mannigfaltig und sie spielen in allen Farben vom dunkelsten Blau bis in das hellste Weiß und stets zu allen Tageszeiten wechselnd. Gebüsche und Moose wuchern in allen Mulden und Rissen, wo sich nicht etwa die grauen Sandströme breiten. Und im Erdreiche der Klüfte und der sanfteren Lehnen bauen sich urkräftige Tannen und Lärchen, als

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