Eine Straße
Da scheint ein Weg zu gehen«, sagte Klaus Schart. Er wollte nach Besenroda hinunter. Klaus sah prüfend die Geröllgasse hinab, die sich zwischen den Tannenstämmen und Fingerhutstauden durchwand: Nein! Wieder nur ein ausgetrocknetes Wasserbett. Ich muß doch endlich einmal abbiegen! Dort ist der Turm des Kolmberges. Genau unter dem soll Besenroda liegen. Ratlos sah er um sich. Nirgends ein Wegweiser. Aber da hinten kommt jemand. Gott sei Dank, ein lebendiger Mensch in dieser Waldwildnis . . . merkwürdig, dachte Klaus. Langsam kam der Mensch auf ihn zu: ein älterer wohlbeleibter Mann mit einer Papiertüte in der Hand, in schwarzem städtischem Rock, in gestreiften Bügelhosen – mitten im Hochwald . . . »Verzeihung«, sagte er, »wo geht die Straße da hin?« Der dicke Herr im schwarzen Rock schnaufte und sah eine Weile prüfend auf Klaus hinunter. Dann legte er den Kopf schief, kratzte sich langsam in den weißen Bartstoppeln und sprach mit einem Blick aus den Augenwinkeln: »Nach Taschkent, mein Herr.« »Nach – wie? Nach – ich meinte nämlich, Entschuldigung: wo der Weg herkommt?« »Von da her« – er zeigte über eine einzelne hohe Tanne in die Ferne – »von der Biskaya, wissen Sie? Ja.« Der alte Herr hob die Augenbrauen hoch und sah weit über Klaus Scharts Kopf und den Kolmberg hinweg in den unbewölkten Oktoberhimmel. Dann beschrieb er mit der Papiertüte einen großen Halbkreis in der Luft und