Das Engagement
Auf der geräumigen Bühne des Schützenhaussaales probte das Schauspiel- und Opernensemble des Direktors Sigurd Hallerfort an einem sonnigen Junitage für die am morgenden Sonntag stattfindende Eröffnungsvorstellung der Sommertheatersaison Konradin Kreutzers romantische Oper »Das Nachtlager von Granada«. Aber trotzdem die Sache, wie der Kapellmeister Kurt Imada versicherte, »soweit« ganz gut klappte und auch die durch Arien ersetzten Chöre — zu letzteren langte Hallerforts Geldbeutel nicht — nicht allzusehr den Eindruck eines Schmieren-Notbehelfs hervorriefen, trippelte der recht korpulente Herr Direktor, die Fäuste in die Taschen seines altgedienten, dünnen Sommerjacketts vergraben, unruhig zwischen. dem großen Konzertflügel, der die Rolle des Orchesters vertrat, und dem Stuhle, auf dem seine Frau Gemahlin mit einem Strickstrumpf in den fettgepolsterten Händen saß, auf und ab. Und als jetzt der Bariton, der den Prinzregenten gab, mit halber Stimme und dem Textbuch dicht vor den etwas kurzsichtigen Augen, für den noch fehlenden Tenor die Partie des jungen Hirten Gomez heruntersang, nur um das Zusammenspiel zu ermöglichen, da beugte sich Sigurd Hallerfort bekümmert zu seiner Gattin herab und flüsterte ihr zu: »Aurelie, ich habe so eine düstere Ahnung - paß auf, der neue Tenor läßt uns im Stich, trotzdem er sein Eintreffen bestimmt zugesichert hat. Und was tun wir dann?. . . Wo