Der heimliche Kampf
Die Telefondame des Rehmhardt-Verlages drückte die Summertaste zum Zimmer sieben herab, der Chefredakteur Dr. Mersheim verlangte Fräulein Raleigh dringend. Gleichzeitig kamen Blinkzeichen aus anderen Räumen des Hauses, und zwei der Außenleitungen schnurrten zudringlich auf. In der Telefonzentrale gab es vom frühesten Morgen bis gegen ein Uhr nachts keine Pause. Die »Welt« und das »Neue Blatt«, die großen Tageszeitungen des alten Rehmhardt, wurden unablässig mit einem Hagel von Gesprächen überschüttet. Redaktion, Annoncenbüro, Verlag, Werbedienst – tausend Telefonate innerhalb des Gebäudes; die sechs Mädchen, die einander im Fernsprechdienst ablösten, hatten keine Minute Ruhe. Der Einbau der neuen automatischen Selbstverbindungsschränke würde die Arbeit sehr erleichtern, aber einstweilen war davon noch keine Rede, man liebte bei Rehmhardt, dessen Hang zum Patriarchalischen bekannt war, keine allzu hastigen Neuerungen. Während das »Neue Blatt« einen mehr lokalen Anstrich hatte – seine Auflagenziffer war der Stolz des Verlages –, stellte die »Welt« das maßgebende liberale Organ der Hauptstadt und damit des Landes dar. Es hatte sich in den Jahren der Manchesterzeit Verdienste um den Freihandel und die Auslandsverbindungen erworben und späterhin, in und nach dem Kriege, eine fortschrittlich bürgerliche Politik verfolgt, die es oft in scharfen Gegensatz zu den Meinungen und Wünschen