Chapter

Einleitung

Die moderne erzählende Litteratur hat mit dem modernen Leben trefflich Schritt gehalten: hier wie dort eine historische Maskerade, die mit all' ihren glänzenden und prunkenden Stoffen, ihren bestechenden Formen und lebhaften Farben doch nur den Mangel an Unmittelbarkeit und an eigenem schöpferischen Talent verrät, aus den umgebenden Erscheinungen der modernen Welt Eigenartiges und Charakteristisches zu gestalten. Und wenn das Alte noch echt und einheitlich gedacht wäre! Aber da stolzieren unsre Frauen herum, oben den, einer längst vergangenen Zeit angehörigen Rembrandhut auf dem Kopf und unten Pariser Zugstiefeletten an den Füßen; in den Mietkasernen augenbeleidigende eiserne Oefen neben Renaissancemöbeln nach »berühmten Mustern«; und dann die papiernen Gobelins, der gelogene Stuck: Maskerade, Halbheit, glänzend verbrämte Armut überall. Nicht anders in der Litteratur: Anakreontiker und Spielmänner neuester Sorte, die beim zweiten Glas unter den Tisch fallen und von einem Spaziergang im Freien sich den Schnupfen holen; Romanschriftsteller, welche die mißgestalteten Wechselbälge ihrer Phantasie in die Lappen weit entlegener Kulturen stecken, ohne diese voll erfaßt und so ergriffen zu haben, daß eine künstlerische Reproduktion möglich wäre. Wenn's hoch kommt, viel Fleiß, viel Detailstudium, und das Resultat – eine wissenschaftliche Monographie mit belletristischem Umschlag. Der

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