Der Gruftwachter
Kleines Arbeitszimmer, hohes Fenster, davor ein kahler Baumwipfel. Fuerst (am Schreibtisch, im Stuhl zurueckgelehnt, aus dem Fenster blickend), Kammerherr (weisser Vollbart, jugendlich in ein enges Jackett gezwaengt, an der Wand neben der Mitteltuer). Pause. FUERST sich vom Fenster abwendend: Nun? KAMMERHERR: Ich kann es nicht empfehlen, Hoheit. FUERST: Warum? KAMMERHERR: Ich kann im Augenblick meine Bedenken nicht genau formulieren. Es ist bei weitem nicht alles, was ich sagen will, wenn ich jetzt nur den allgemein menschlichen Spruch anfuehre: Man soll die Toten ruhen lassen. FUERST: Das ist auch meine Ansicht. KAMMERHERR: Dann habe ich es nicht richtig verstanden. FUERST: So scheint es. Pause. FUERST: Das Einzige, was Sie in der Sache beirrt, ist vielleicht nur die Sonderbarkeit, dass ich die Anordnung nicht ohne weiters getroffen, sondern vorher Ihnen angekuendigt habe. KAMMERHERR: Die Ankuendigung legt mir allerdings eine groessere Verantwortung auf, der zu entsprechen ich mich bemühen muss. FUERST: Nichts von Verantwortung! Pause. FUERST: Also nochmals. Bisher wurde die Gruft im Friedrichspark von einem Waechter bewacht, der am Eingang des Parkes ein Haeuschen hat, in dem er wohnt. War an diesem Ganzen etwas auszusetzen? KAMMERHERR: Gewiss nicht. Die Gruft ist ueber vierhundert Jahre alt und so lange wird sie auch in dieser Weise bewacht. FUERST: Es koennte ein Missbrauch