Kapitel 1
Draußen die schleppende, blühende Stille eines Sommermorgens. Gedehntes Blöken der Schafe, versteckter Brachvogelschrei und Bienengesumm: das schläfrige Murmeln trägen Sommers. Drinnen ein kalter, toter Raum, schmutzig, kahl, vernachlässigt, das freudlose Innere eines Hauses ohne Herrin; in der Ecke auf dem Fußboden der Länge nach hingeworfen die Gestalt eines untersetzten, kleinen Mannes. In dem toten Staube neben einem schrägen Sonnenstrahl schläft er einen geräuschvollen Schlaf. Sein Hemd, dessen Kragen offen steht, enthüllt einen mageren Hals; der eine Arm ist sorglos über das Gesicht geworfen, und aus der Tasche seines Rocks funkelt verräterisch ein schwarzer Flaschenkopf. Ihm zu Häupten, die Wärme einsaugend, wie nur ein Hund es kann, badet sich eine weise alte Schäferhündin in einem Sonnentümpel. Die graugefleckte Schnauze ruht auf den Dielen. Aus den Augen, die unverwandt auf dem Gott, dem Helden, dem Ideal des vollkommenen Wesens haften, das jetzt seinen Rausch ausschläft, blickt umfassende, unwandelbare Liebe. Von draußen kommt das Geräusch heimlicher Schritte. Sofort spitzt die alte Hündin die Ohren. Die Tür öffnet sich leise, ein hübsches, junges Gesicht lugt durch den Spalt. Im nächsten Augenblick ist der Junge eingetreten. In der einen Hand die Schuhe, stiehlt er sich barfuß durch das Zimmer, dem alten Hund, der regungslos, aber wachsam den Eindringling mit kalter