I.
Für Grabenhagen war heute ein wichtiger Tag; der Einzug der Herrschaft wurde erwartet. Herr von Kriebow war seit einem Vierteljahr verheiratet. Die Flitterwochen hatte das junge Paar in der Schweiz und in Oberitalien zugebracht. Schon seit Wochen erwartete Grabenhagen seinen Herrn, aber immer wieder war ein Brief gekommen, der die Ankunft hinausschob. Nun endlich, wo der größte Teil der Ernte schon eingebracht war, wollte er kommen, um die Zügel der Regierung selbst in die Hand zu nehmen. Der Inspektor hatte den Kopf voll; es galt ja nicht nur Herrn von Kriebow würdig zu empfangen, der seit dem Tode seines Vaters, also nun schon seit fünf Jahren, Besitzer von Grabenhagen war, es galt heute vor allem auch, die junge Frau zu feiern, die ihren Fuß überhaupt noch nicht auf Grabenhäger Boden gesetzt hatte. Das Wetter war so günstig wie nur möglich: ein klarer, warmer Augustnachmittag. Inspektor Heilmann hatte schon seit Tagen Vorbereitungen treffen lassen: zwei Ehrenpforten waren errichtet, eine am Eingang des Gutshofes, eine zweite dort, wo der Fahrweg eine scharfe Ecke macht, kurz ehe er auf dem breiten Platz vor dem Herrenhause ausmündet. Der Kies war sauber geharkt, die Rasenplätze frisch gemäht, die Prellsteine mit Kalkfarbe gestrichen. Grabenhagen wollte sich an einem solchen Tage im besten Lichte zeigen. Am Hause entlang waren die Dienstleute aufgestellt, eine stattliche