Das Glastal
Das Weiß des Sturzbaches bindet alles aneinander: die Bäume und Steinblöcke und die Wiesen an den Hängen. Und dann scheint es, als ob ein Kind seine Spielschachtel in die Schlucht ausgeleert habe, so stehen die Häuschen kreuz und quer um den Bach. Ganz oben über dem letzten Wassersturz ist der freie Himmel; doch deuten Wipfelspitzen, die in sein Blau ragen, auf einen Höhenzug hin, der weiter zurückliegt. Die Häuser sind zur Hälfte aus Holz gezimmert mit weißen Fugen zwischen den Balken, die Spalten der Brettergiebel bloß durch aufgenagelte Leisten in verschiedenen Mustern gedichtet. Jedes dieser Häuschen aber hat noch einen niedrigen Anbau, der immer nach der Bachseite zu liegt. Unten in der Talbiegung steht auf halber Hanghöhe ein großes, villenähnliches Gebäude. Es ist ganz aus Holz und mit Schnitzereien geziert; die Fenster des Erdgeschosses werden vom Gesträuch des Vorgartens verdeckt. In seine Dachstirn ist eine Uhr eingefügt, deren goldene Ziffern eben in der Morgensonne erglänzen. Auf den Blättern liegt noch ein feuchter Frühhauch; aber die warmdurchsonnte Luft lockt ihn in ihr Reich zurück, wohin bereits seine zartesten Schleier schweben. Die wirken Weichheit in die Kronen der Bäume und die Farben der Gewächse verschwistern sich unter ihrem Einfluß und wollen verschmelzen wie Liebende, die einander umarmen. Von dem großen Haus kommt ein alter Mann mit einem Knaben her.