Erster Teil
Als Marlise noch klein war – eben erst hatte sie gelernt, die Wundertieren ihrer Märchenbücher selbständig zu durchwandern –, sagte sie eines Tages: »Onkel Joseph, wenn man doch einmal zaubern könnte! Oder man träfe wirklich das gute graue Männlein, das einem drei Wünsche gewährt!« »Was würdest du dir wünschen, Marlise?« fragte Onkel Joseph. Marlise sah ihn mit großen Augen an, fast verblüfft. Dann blickte sie an ihrem zierlichen Kleidchen nieder, blickte um sich, über den sonneerfüllten, blühenden Garten hin und zurück auf ihr Heimathaus, das weiß, friedvoll und schön aus den Bäumen schimmerte. Sie schaute in das weite, grüne Land hinaus, über die sanften Hügel und nach der hochaufsteigenden, walddunklen Wand des Gebirges. Und dann schüttelte sie den Kopf und lachte, ein helles, leichtbeschwingtes Lachen, das aus reinster Herzensfröhlichkeit aufstieg. »Onkel Joseph, ich weiß nichts! Was sollte ich mir wünschen? Ich habe ja alles!« So war es damals, und so blieb es lange. Marlise lernte wohl das Wünschen, aber es war kein starkes, eigensinniges Verlangen aus darbender Seele, sondern mehr liebliches Gedankenspiel. Daß Mutter ein wenig frischer und lustiger würde, ja, das hätte man sich wohl wünschen mögen; aber liebte man Mutter nicht gerade um ihrer wehmütigen Verletzlichkeit willen am meisten? Und wenn man sich einmal eine Reise in die Stadt und einen Theaterbesuch wünschte,