Chapter

Der gewürzige Hund

Maienmorgen! Balsamduft. Seidenzartes Buchenlaub. Die Bäume wie grün strahlende, aufragende Berge in ihrer Fülle und ihrer neuen Laubesmacht. Noch nie dagewesene, mächtig sich ausladende Gewalten von zartestem Grün. Dazu die strahlende Breite eines weit ins Land hinein ausgegossenen Sees. Ein Spiegel aller Herrlichkeiten des Himmels und der Erde. Weiße segelnde Wolken, seliger Vogelsang, Himmelsschlüssel, die ersten Maiblumen, aus deren weißen Glöckchen zarter Frühlingsopferduft ausströmt – Herz, was willst du mehr! Einsamkeit, große, weite Einsamkeit – die wir heutzutage nicht mehr kennen. Abgeschiedenheit, tiefe, tiefe Abgeschiedenheit, wie die weltabgewandte Seele, die ganz von ihrem Gott allein erfüllt ist, sie haben soll. Wolltest du dieser Abgeschiedenheit entfliehen, bedrückte sie dich trotz aller Schönheit und Seligkeit, 6 warst du nicht reif und still genug, mit ihr eins zu werden, oder drängte dich das Schicksal hinaus in die Welt, so mußtest du erst dein Bündel schnüren und dich auf die Wanderschaft begeben, über Landstraßen und holprige Feldwege hin. Oder eine alte Postkutsche rumpelte dich in die Welt hinaus. Zu jener Zeit war die Erde noch weit und groß, unüberschaubar. Die dicht bevölkerten und die kleinen Städte lagen in Einöden, waren voneinander unsäglich getrennt. Heut ist alles eng zueinander gekrochen. Das eiserne Netz, das sie um unsere liebe,

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